Neon Genesis
Evangelion: Meine Liebe gilt...
Um der Liebe
und Pflicht willen
Eine Nebengeschichte zu
Kapitel 6
Geschrieben
von Godsend777 <Godsend777@mindspring.com>
Assistiert
von Alain Gravel <rakna@globetrotter.qc.ca>
Übersetzt von
Melissa Schneider <meschnei@gmx.net>
http://www.geocities.com/Tokyo/Teahouse/2236/
Die Geschichte basiert auf Figuren geschaffen
von GAINAX.
Begonnen im Juli 1999
Erster
Entwurf beendet am 8.August 1999
Endgültige
Fassung beendet am 18.August 1999
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Is..." Internetseite bestimmt! Nicht ohne Zustimmung benutzen.
DIENSTAG
MORGEN
Der Beginn eines neuen
Tages - noch vor zwei Tagen machte ich mir nicht besonders viel daraus. Doch seit
dem ich nahe dem See mit Hikari an meiner Seite aufgewacht war, war es ein
tolles Gefühl gewesen die Sonne zu sehen.
Aber auch das hatte sich wieder geändert.
Gestern war ich... aber da will ich garnicht dran denken. Jetzt
jedenfalls.. bin ich hier und starre hinaus in die Morgensonne. Und ich hasse
sie, warum auch immer.
Ich frage mich... ob Ikari sich genau so fühlt wenn er aufwacht?
SPÄTER SAMSTAG/ SEHR FRÜHER SONNTAG
"Touji!"
Hikari kicherte als ich
zurück ins Zelt kam. Sie war immer noch ganz schön betrunken und schwenkte
irgendwas in der Luft herum.
"Oh.. du - du bist
noch wach." sagte ich und lief ziemlich rot an.
Die Art wie sie meinen
Namen gesagt hatte erinnerte mich an einen dieser Filme, den ich mal zusammen
mit Kensuke gesehen hatte. Ich fragte mich, was sie da in die Luft hielt; bei
diesem spärlichen Licht war kaum etwas zu erkennen.
"Mm-hmm."
Sogar betrunken sah sie
immer noch wie ein unschuldiges kleines Mädchen aus. Sie lächelte mich an und
schliesslich warf sie mir zu, was sie herumgewirbelt hatte. Jahrelanges
Basketballspielen hatte meine Reflexe derart verbessert, dass ich es mühelos
auffangen konnte um es dann eingehend zu betrachten.
Es war ein BH.
Und was noch wichtiger
war - es war Hikaris BH.
Doch das würde
bedeuten....
Jap, ein kurzer Blick
durch das Zelt zeigte mir, das ihr Hemd neben meinem Schlafsack auf dem Boden
lag. Und dann war sie plötzlich neben mir. Klar, sie war zwar nicht so gut
gebaut wie, sagen wir mal - Misato, doch was ich da sah war auch nicht von
schlechten Eltern...
"Touji..."
säuselte sie und ich glaube sie versuchte mich zu verführen, oder so... Na ja,
ich würde es natürlich niemals offen zugeben, doch ich habe keinen blassen
Schimmer von den Gefühlen einer Frau. Besonders wenn es um Frauen geht, die ein
wenig... sagen wir mal... in sexueller Hinsicht auf heissen Kohlen sitzen.
Ich hatte die Videos
gesehen, die Kensuke besass. Die waren alle schlecht gespielt und schlichtweg
nur Müll. Immer nur zwei, drei oder manchmal sogar vier Leute, die es
miteinander trieben. Ein paar Minuten lang war das ja ganz schön anzusehen,
doch von Anfang bis Ende gesehen einfach nur abartig. Na ja, Kensuke zumindest
schien das nicht zu stören. Doch wieder zurück zum Thema..
"Ich fühle mich sooo
allein..."
"Hä?" Ja ich
weiss. Ich bin schwer von Begriff.
"Bleib bei mir.
Bitte. Ja?"
Sie sah ziemlich traurig
aus. Wenn sie gerade einmal nicht schrie, konnte sie sehr zerbrechlich
aussehen. Doch an dem Abend sah sie mehr denn je aus, als wäre sie kurz davor
zu zerbrechen.
"O-Okay."
Ich stotterte. Ich hatte
mir schon oft ausgemalt, was ich mit einem Mädchen in so einer Situation tun würde. Meist träumte ich dabei von
Misato, manchmal auch von Hikari aber nur äusserst selten von Asuka. Wie auch immer,
in diesem Moment stand ich völlig neben mir. Vielleicht lag es am Bier...
"I-Ich liebe
dich..."
Uhhh. Ich liebte sie zwar
auch irgendwie, aber dass sie es jetzt einfach so ... direkt heraus sagte!
Ausgerechnet dieses Thema... AHHHHH!
"D-Du empfindest
nicht das Gleiche für mich, oder ?"
Wenn ihr Gesicht aus Glas
gewesen wäre, wäre es jetzt sicher zersprungen. Ich wusste nicht was ich sagen
sollte. Ich war doch nur ein dummer Trottel,- jemand, der lieber jemanden
zusammen schlug als zuzugeben, das er im Unrecht war. Immerhin ist es einfacher
auf seine Kraft zu bauen als auf seinen Verstand.
Ich war drauf und dran es
zu sagen. Ich war drauf und dran einfach "Ich liebe dich" zu sagen,
obwohl ich es nicht ernst meinte. Es würde sie besänftigen und ich bräuchte
diesen Ausdruck in ihrem Gesicht nicht mehr zu ertragen. Aber ich dachte daran,
was Shinji gerade vorhin passiert war. Wie verletzt er war, weil Asuka ihn
angelogen hatte. Weil sie versucht hatte ihn für ihr eigenes persönliches
Vergnügen zu benutzen. Weil sie nicht ehrlich zu ihm gewesen war... Ich wollte
nicht, dass Hikari oder mir etwas ähnliches passierte. Vielleicht wäre
Ehrlichkeit der beste Weg. Immerhin war es einen Versuch wert, zumal ich im
Moment auch keine anderen Ideen hatte.
"Klassensprecherin..."
Ich legte zärtlich meine
Hand auf ihre Schulter, doch ich denke, ich hatte mir mit meiner Antwort zu
viel Zeit gelassen; sie weinte schon leise vor sich hin.
"Ich weiss nicht,
was ich fühle. Ich meine, ich mag dich sehr."
"Wirklich?"
"Ja. Wir sind doch
immer noch Kinder, oder nich'? Ich weiss nicht was Liebe ist. Ich bin doch erst
14. Aber ich mag dich. Und das schon seit einer ganzen Weile..."
"W.. Wirklich?"
Ich konnte nicht
beschreiben, was für ein Gefühl sich da auf ihrem Gesicht zeigte, doch jemand
hat mal gesagt, dass es Dinge gäbe, für die es sich lohnen würde zu sterben...
Und in diesem Moment... dieser Blick von ihr... das war etwas für das ich
tausend Tode gestorben wäre...
Und so gab ich natürlich
eine selten dämliche Antwort...
"Ja, wirklich."
"Touji!"
Sie kreischte vor Freude
bevor sie mich umarmte und als ich ihre Umarmung erwiderte war ich glücklich.
Dann erst erinnerte ich mich daran, dass sie ja von ihrer Taille aufwärts
nichts mehr anhatte... Als sie mich küsste, gingen bei mir die Lichter aus. Ich
kann mich nicht erinnern was danach passierte.
Na ja, eigentlich
erinnere ich mich doch - zumal es ja auch mein erster Kuss war. - (Und ihrer
auch wie ich später heraus fand). Es ist mir nur ein wenig peinlich wenn ich
daran zurück denke. Wir sind ziemlich weit gegangen an dem Abend - aber nicht
SO weit. Ich denke keiner von uns beiden war bereit für diese Art von.. Liebe.
Als ich aufwachte trug
ich nur noch meine Boxer-Shorts und ein Blick in Hikaris neuen Schlafsack
machte mir klar, das wir ihn würden reinigen müssen.
Kurze Zeit später kam
Hikari zurück ins Zelt. Sie lächtelte und beugte sich hinunter um mich zu
küssen. Dann zogen wir uns an und leisteten Shinji am Lagerfeuer Gesellschaft.
Wir haben uns gut
amüsiert, doch dann wachte Asuka auf und als sie zu uns kam, haben wir ihn....
na ja, wir haben Shinji einfach mit ihr sitzen lassen. Wir fühlten uns gut und
keiner von uns beiden wollte dem ein Ende setzen. Ausserdem mussten die zwei
sich ja unter vier Augen unterhalten....
Sonntag Nachmittag
"Glaubst du, dass es
ihnen gut geht ?" fragte Hikari.
Sie hatte sich ziemliche
Sorgen um Shinji und Asuka gemacht. Und besonders um Asuka, weil sie wusste,
wie schwer es ihr fiel sich einem anderen gegenüber zu öffen. Wenn es eines
gab, das ich immer sehr attraktiv an Hikari fand, dann war das ihre Sorge um
andere.
"Die werden sich
schon zusammenraufen."
Ich versuchte sie zu
beruhigen, obwohl ich das Gefühl hatte, das Shinji zu dieser Zeit nicht allein
sein sollte. Ich erinnerte mich daran wie er sich nach dem Kampf mit dem
Insekten-ähnlichen Engel benommen hatte und ich befürchtete, dass er wieder
etwas Dummes anstellen würde. Von Reis Freundin Hotaru erfuhr ich später, dass
Shinji bei Rei eingezogen war. Ich war mir nicht sicher, ob das mal so gut war.
Immerhin würde es sein Problem nicht lösen. Doch ich denke Shinji brauchte die
Zeit, um sich von diesem Tiefschlag zu erholen und so gesehen war es vielleicht
garnicht so schlecht. Rei würde sich auf jeden Fall um ihn kümmern.. Und
vielleicht sollte ich mir genau deshalb Sorgen um ihn machen....
"Die beiden brauchen
jetzt erstmal etwas Zeit allein. Sie würden sicher nicht wollen, das wir uns da
einmischen. Die müssen erstmal drüber nachdenken was passiert ist."
Ich versuchte mein Bestes
so überzeugend und selbstsicher zu klingen wie ich konnte und ich hoffte das
sie es glauben würde. Es war ja auch die Wahrheit. Ich weiss, dass Shinji
manchmal keinen anderen um sich haben wollte. Er hat sogar einmal gesagt, dass
er es gewohnt sei allein zu sein.
"Ich glaube du hast
recht. Aber -"
"Hmm?"
"Sie sind so -"
"Komm schon, spuck'
es aus.." ermunterte ich sie und ich fragte mich was es war, das sie kaum
über die Lippen brachte?
"Sie benehmen sich
so kindisch..." platzte sie heraus und ich musste lachen. Sie sah mich
fragend an, doch ich ignorierte es einfach.
"Hikari..."
sagte ich als ich ihre Hand nahm, "Wir sind ja auch Kinder. Ich, du, und
sie."
Für einen Moment wurde
sie rot und küsste mich flüchtig auf die Wange. Ein paar von den Leuten um uns
herum starrten uns an, doch wir beachteten sie garnicht...
"Ich schätze du hast
recht." sagte sie sanft und schaute ein wenig umher. "Also, was
willst du tun?"
Mir fiel nichts ein und so
gingen wir in den Park... Wir setzten uns auf eine Bank und kuschelten eine
Weile. Ich weiss, dass uns einige unserer Klassenkameraden gesehen haben, doch
das kümmerte uns nicht. Wir redeten über dies und das und haben uns einfach nur
amüsiert. Ich habe uns beiden sogar etwas zu essen gekauft.
Jap, es war eine schöne Zeit. Doch unsere Unterhaltung begann
schnell wieder sich nur um Asuka und Shinji zu drehen. Hauptsächlich Shinji.
Ich versuchte davon abzulenken, doch wir kamen immer wieder auf ihn zu sprechen.
Und dann stellte sie eine komische Frage...
"Wenn du Shinji
wärst, was würdest du tun?"
Wie ich gesagt hatte, es
war eine komische Frage. Eine, auf die ich keine Antwort wusste. Nach einem
bisschen Nachdenken (was, wie schon gesagt, nicht gerade meine Stärke ist) fiel
mir dann doch eine Antwort ein.
"Ich wär' schon vor
langer Zeit abgehauen."
"Wa-?"
Überraschung stand ihr
ins Gesicht geschrieben. Ein merkwürdiger, schwer zu beschreibender Ausdruck.
Sie sah nicht aus wie ein Reh das sich plötzlich im hellen Licht von
Autoscheinwerfern wiederfindet,- nein - es war mehr so ein Blick der dir sagte,
das die Antwort, die du für richtig gehalten hast nicht mehr als ein paar
Meilen daneben war...
"Klassensprecherin?"
"Warum? Ich meine,
sowas ist doch gar nicht deine Art.."
"Bist du schon 'mal
im Inneren eines Evangelion gewesen?"
"Natürlich nicht!
Ich bin doch nicht so dumm wie Kensuke, der sein Leben für sowas
riskiert!"
"Kensuke war an dem
Tag nicht der Einzige, der so dumm war..."
Sie schnappte nach Luft.
Ich nehme an, sie dachte sie hatte mich beleidigt.
"Ich.. Es tut mir
leid, Touji."
"Schon gu. Du hast
ja recht. Es war eine dämliche Aktion. Und Eines ist sicher, ich werde es zum
verrecken nicht nochmal tun."
"Aber warum würdest
du wegrennen wollen?"
"Also wenn ich
Shinji wäre, und nicht ich selbst, dann wäre ich sicher schon abgehauen. Ich
meine, er spricht nie darüber, doch er hat verdammt viel durchgemacht."
"Ich denke das
Gleiche gilt auch für Asuka." sagte sie und über ihr Gesicht ging ein
Ausdruck von Traurigkeit, den ich nie wieder dort sehen wollte.
"Ich weiss ja nicht
was mit Asuka ist, doch ich war dabei als Shinji in dem Dingen beinahe einen
Nervenzusammenbruch hatte."
"Wie meinst du
das?"
"Als er den Engel kalt
gemacht hat... Es war irgendwie unheimlich.. Er hat immer und immer wieder 'Ich
darf nicht weglaufen' gesagt. Und dann kam dieses grosse Messer raus und er hat
einfach nur geschrien."
"Er hat
geschrien?"
"Ohne Unterbrechung.
Fast eine ganze Minute lang, so lang wie es gedauert hat den Engel zu
töten."
"Oh mein
Gott.."
"Danach ist er
einfach zusammengebrochen und hat geheult. Ich habe mich gefragt warum. Shinji
hatte Kensuke mal erzählt, das der Pilot alles spürt, was auch der EVA spürt.
Und ich sage dir, als dieses Dingen EVA-01 aufgespiesst hat, da habe ich etwas
gespürt. Na und da habe ich zuerst gedacht, das wär' der Grund. Aber als ich
ihn dann etwas besser kennen gelernt habe, wurde mir klar, dass er völlig durch
den Wind ist..."
"Touji! Wie kannst
du nur so über deine Freunde reden? Da frage ich mich wirklich was du den
anderen über mich erzählst !?"
Ich wurde ein wenig rot
als ich mich an die wenigen Gespräche erinnerte, die ich mit Shinji zum Thema
Mädchen geführt hatte. Doch ich fing mich schnell wieder.
"Weißt du, das ist
die Wahrheit. Nicht dass ich ihm was will, aber wie ich gesagt hab', er hat
einiges durchgemacht."
"Trotzdem.."
"Schau mal, du und
ich, wir haben unsere Familien, die uns lieben. Bei dir sind da zum Beispiel deine
beiden Schwestern und dein Vater. Ich habe Mari, meinen Vater und meinen
Grossvater. Auch wenn sie kaum zu Hause sind und immer nur arbeiten, so kommen
wir doch klar."
"Bei meinem Vater
ist das genau so. Er ist auch sehr beschäftigt."
"Shinji aber hat
keinen. Klar, da sind Misato, Rei und Asuka, doch die ganze Sache mit Rei und
Asuka macht ihm schwer zu schaffen. Er scheint an nichts anderes mehr zu denken
und ich befürchte, dass er noch etwas dummes anstellen wird, wenn die beiden
ihm nicht etwas Ruhe gönnen."
"Ich weiss was du
meinst. Asuka ist ziemlich zuversichtlich, dass sie gewinnen wird. Manchmal
erzählt sie mir, was sie tun will um 'seine Gunst' zu erlangen."
"Als da wäre ?"
Das versprach interessant zu werden...
"Erinnerst du dich
an letzte Nacht?"
Sie grinste hinterhältig
und zwinkerte mir zu. Das war eine Seite von ihr, die ich noch nie zuvor
gesehen hatte. Ich denke mein Gesicht war in dem Moment genau so rot wie der
Plugsuit von einem gewissen deutschen Mädchen.
"Ich frage mich, wie
du dich an letzte Nacht erinnern kannst." sagte ich ohne nachzudenken. -
Gott, bin ich ein Volltrottel !
"Ich war gar nicht
so betrunken!" platzte sie heraus und wurde rot wie eine Tomate, als sie
bemerkte, dass die Leute um uns herum schon wieder begannen uns anzustarren.
Wenigstens waren keine Mitschüler in der Nähe...
"Soso," meinte
ich und legte meine Hände sanft an ihre Hüfte. "Dann erinnerst du dich ja
auch an DAS!!!" Ohne Gnade begann ich sie durchzukitzeln. Ich tat es
hauptsächlich, damit sie aufhörte, sich Sorgen darüber zu machen, was andere
dachten. So lange wir uns kannten, hatte es mir noch nie gefallen, sie
nachdenklich und besorgt zu sehen. Ich meine, ich kenne sie jetzt seit mehr als
sechs Jahren und noch nie habe ich es ausstehen können sie so zu sehen.
Natürlich, habe ich selbst sowas in der Art noch nie gemacht. Ich glaube Männer
sollten sowas auch nicht tun.
Ich hörte auf sie zu kitzeln und wir begannen wieder miteinander
zu schmusen. Sie lehnte ihren Kopf nach hinten bis er auf meiner Schulter lag
und schloss dann ihre Augen. Ich glaube sie war noch ziemlich müde - wir hatten
ja auch nur wenig geschlafen.
Und so machte ich schliesslich wieder das, worin ich zugegeben
nicht sehr gut war; ich dachte nach.
Es dauerte eine Weile, doch dann kam ich zu einer neuen Einsicht,
was die Fragen über Shinji betraf, die Hikari gestellt hatte.
"Weißt du..."
"Hmmm? "
"Ich bin stolz auf
Shinji."
"Hä?"
"Er hört nie auf zu
kämpfen, auch wenn es für ihn nichts zu gewinnen gibt. Ich weiss, dass Asuka
und Rei ihn lieben, doch wie ich gesagt hab', die beiden müssen ihm 'was Ruhe
gönnen. Aber auch schon bevor das mit den Beiden war, hat er gekämpft ohne je
etwas dafür zu verlangen. Und so ist es immer noch,- na ja wenn man mal von dem
Lohn absieht, den er ausgehandelt hat. Aber das ist irgendwie ja auch
verständlich."
"Touji..?"
"Hey, glaub nur
nicht, dass ich ihm das sagen würde. "
"Warum nicht?"
"Weil... Weil das
etwas ist, das er für sich selbst herausfinden muss."
Sie lächelte mich an und
sah mich mit einem dieser Blicke an, die... es Wert sind dafür zu sterben. Sie
schien stolz auf mich zu sein.
"Hast du
Hunger?" fragte ich und sie nickte. Wir assen zu Abend und das war dann
auch das Ende unseres gemeinsamen Tages.
Montag
Ich reckte und streckte meine Glieder als ich aufstand und wie ich
dann hinaus auf die Morgensonne sah musste ich lächeln. Es war irgendwie...
friedvoll. Ich war früh dran und das allein war schon hitverdächtig. Ich ging
unter die Dusche, mit dem sicheren Gefühl, dass es ein guter Tag werden würde.
Natürlich sollte es anders kommen. Immerhin war Tokyo-3 eine Stadt die berühmt
war für das Pech, das an ihr und ihren Bewohnern haftete.
Auf dem Weg zur Schule ging ich bei Hikari vorbei, um sie
abzuholen. Interessant ist vielleicht zu erwähnen, das ich an dem Tag zum
ersten Mal ihre ältere Schwester Kodama kennen gelernt habe.
"So, du bist also
der Touji von dem Hikari-chan pausenlos erzählt..." Sie war das genaue
Gegenteil von Hikari. Während Hikari süss und unschuldig aussah, machte Kodama
mehr den Eindruck eines Falken auf Beutezug. Sie war gross gewachsen und hatte
kurzes braunes Haar, das glatt zu den Seiten gekämmt war. Und ihr Lächeln war
ziemlich... hinterhältig. Obwohl wenn ich so darüber nachdachte, hatte Hikari
gestern auch einmal so gelächelt...
"Kodama!" rief Hikari und wurde rot.
"Hahaha! Ach, das ist schon okay. Sag' mal, warum kommst du
nicht heute zum Abendessen zu uns, Touji? Ich bin sicher Vater würde dich gern
kennen lernen."
"Ahh... nun.. öhh..." Oh Mann... Auf der einen Seite
Hikari und die Aussicht auf ein Abendessen. Und auf der anderen Seite jede
Menge Fragen, Kreuzverhör und vielleicht sogar ein Eignungstest. Schöne
Scheisse...
"Touji?" Uups. Das war Hikaris Stimme. Ich hätte mir mit
der Antwort nicht so lange Zeit lassen sollen.
"Ahh... ja. Gut. Um wieviel Uhr?"
"Oh, sei so um Sieben hier. Und was du da anhast ist gut
genug." Sie kam ein bisschen näher zu mir und ich wich zurück. "Hmmm,
weißt du, du bist irgendwie recht niedlich."
"KODAMA!!!"
"Hey, war nur Spass Schwesterlein."
"Hmmpf! Vielleicht solltest du dann mal nur zum Spass deine
Lunchpakete selbst machen!"
"..."
"Dachte ich mir doch, Kodama!"
Interessant. Zumindest
schien sie mir nicht...
"Und du, Mr.
Suzuhara!"
Zu früh gefreut.
"Du trägst jetzt meine Bücher."
Seufzt. "Ja,
Klassensprecherin"
Als wir so zur Schule
gingen hätte ich schwören können ihre Schwester hat was von Pantoffelheld
gemurmelt...
Wir gingen in den Klassenraum und redeten eine ganze Weile.
Normalerweise war Rei die Erste aber da sie nicht da war, als wir ankamen,
gingen wir davon aus, dass sie heute garnicht kommen würde. Also waren wir die
ersten Minuten lang ganz allein in der Klasse bis dann Hotaru kam.
Normalerweise wechselte sie kaum ein Wort mit anderen, ausser mit Rei. Doch
heute, als Hikari sie fragte, wie es ihr ging, da - na ja - wurde sie
gesprächig. Ich war verblüfft. So wie sie sich benahmen hätten Hotaru und Rei
Schwestern sein können, und irgendwie sahen sie sich auch ähnlich. Doch jetzt
stand das Mädchen vor uns und erzählte uns von den Leuten, die uns im Park
gesehen hatten und das Hikari nicht mehr länger auf der Wettliste stand. Es war
irgendwie merkwürdig. Und dann lies mich
ihr letzter Satz aufmerken...
"Wettliste?" platzen Hikari und ich einstimmig raus.
Hotaru wurde mit einem Schlag rot.
"Ah... vielleicht sollte ich nicht..."
"Oh doch, du sollst. Was geht da ab?" fragte ich. Es war
ja schon schlimm genug das Shinji sich um Asuka und Rei Sorgen machen musste.
Da musste er sich nicht auch noch um den Rest seiner Klasse einen Kopf
machen...
"Na ja... Du kennst doch Minami Kuno? Das Mädchen, dessen
Mutter TendoCorp besitzt?"
"Und weiter?"
"Sie... hat da eine Wette laufen, wer wohl Shinjis Freundin
wird."
"Aber was hat das mit mir zu tun?" fragte Hikari.
"Na ja..." Mann, war die rot,- man hätte glatt denken
können sie und Eva-02 wären Zwillinge. "Ummm... die Drei ganz oben auf der
Liste waren Rei, Asuka und... Hikari"
"WAAASSS!?" schrie ich. Uups. Mittlerweile waren schon
so einige andere Schüler im Raum. Uups..
"Aber so wie es aussihet ist Hikari ja jetzt aus dem Rennen
hihi." Sie lachte nervös. "Ich.. äh.. geh dann mal auf meinen
Platz.."
Sie war gerade dabei zu gehen, als sie sich nochmal umdrehte.
"Suzahara-kun?"
"Ja?"
"Umm... Rei sagte..- für den Fall das du mit Shinji reden
möchtest..- er wohnt jetzt bei ihr."
"Oh. Okay, danke." Daraufhin drehte sie sich wieder um
und ging. Bevor ich überhaupt darüber nachdenken konnte, das Shinji jetzt bei
Rei lebte, rottete sich die ganze Klasse auch schon um uns zusammen und wollte
wissen was gestern passiert war. Als jemand Zweifel an meiner Beziehung mit
Hikari äusserte überraschte sie mich damit, dass sie mich vor der ganzen Klasse
küsste. Kensuke kam natürlich gerade rechtzeitig mit seiner Kamera um das Ganze
aufzunehmen, der kleine Freak. Ich wollte ihn noch einen Kopf kürzer machen,
doch da begann schon der Unterricht.
Im Prinzip gab's nix Besonderes. Asuka tauchte auch nicht auf,
doch das kratzte mich wenig. Ich verbrachte meine Zeit mit Schlafen oder damit
Kensuke wegen der Bilder zu drohen, die er gemacht hatte. So um die
Mittagspause 'rum wurde ich dann in das Büro des Direktors gerufen.
Ich weiss noch, als ich in das Büro des Direktors kam, da waren da
ausser ihm auch ein paar Typen von NERV. Der Direktor stand am Fenster und hat
sich die ganze Zeit nicht zu mir umgedreht. Da waren noch zwei Männer in
schwarzen Anzügen und Dr. Akagi. Ich hatte sie ein oder zwei mal in Misatos
Appartement gesehen, doch dieses Mal verhielt sie sich anders, als ich sie
kannte. Sie war so, wie Misato gewesen war, damals als Shinji, Kensuke und ich
Asuka kennengelernt haben. Sie schien kühl, distanziert, ruhig und als ob sie
alles unter Kontrolle hätte. Das machte mich ziemlich nervös...
Sie redete eine ganze Weile darüber, in welcher Situation sich die
Welt befindet und so'n Zeugs.. - aber ich hörte gar nicht hin. Ehrlich gesagt
hatte ich keinen blassen Schimmer worauf sie hinaus wollte. Sie redete weiter
und weiter und ich fühlte wie mir mehr und mehr die Augen zufielen,- bis sie
schliesslich meinte:
"Suzahara Touji, du bist auserwählt worden der nächste
EVA-Pilot zu sein."
WAS!?
"Ähhm... was haben sie da gerade gesagt?"
"Ich sagte, du bist auserwählt worden einen EVA zu
steuern." Sie sah mich kühl an, da war kein Anflug von Mitgefühl auf ihrem
Gesicht. Das war nicht die gleiche Person, die mit Misato am Wochenende um die
Häuser zog.
"Oooh nein. NeeNeeNeeNeeNee. Das mache ich nicht." Ich
rüttelte mich quasi selbst wach. Ich brauchte jede einzelne Gehirnzelle um
diesen Kampf zu bestehen.
"Du musst verstehen, dass Kinder so wie du unsere letzte
Hoffnung sind!"
"Hey, für mich bringt das mehr Probleme als es jemals wert
sein kann! Verstehen sie das denn nicht?"
"Als da wären?"
"Na ja, abgesehen von den ständigen Streiterein mit dem roten
Dämon und Kensukes nervigen Fragereien, sind da auch Leute, die sich um mich
Sorgen machen würden!" Ich stand auf und trat ihr gegenüber. Dieses Mal
durfte ich nicht zurückstecken.
"Das reicht nicht." antwortete sie kalt.
"Na gut, wie sieht es dann damit aus, das ich einfach nicht
bereit bin zu STERBEN?" Ich schrie
ihr beinahe ins Gesicht.
Es zeigte Wirkung. Sie sagte kein Wort und weil es der einzige
Trumpf war, den ich hatte, dechte ich mir, sollte ich ihn richtig ausspielen.
Ich liess mich wider in meinen Stuhl fallen, um aus ihrem Dunstkreis zu kommen.
"Wir beide wissen, was Shinji in diesem Dingen
durchmacht."
"..."
"Nach allem was ich bisher gesehen habe bringt dieses Dingen
nichts ausser Schmerz und Leid." Diese Bemerkung liess sie sogar
zusammenzucken. "Das Ding hat meine Schwester verletzt... Sie wird
vielleicht nie mehr laufen können..."
"Deine-"
"Ich habe mit angesehen wie Shinji da drin fast ausgetickt
ist."
"Nun ja-"
"Und ich weiss, das es beinahe Rei umgebracht hat,- ein paar
Monate bevor Shinji zu uns kam."
"Ich-"
"Wie oft war Shinji in letzer Zeit im Krankenhaus?"
"..."
"Und wie steht es-"
"Das ist genug, Suzuhara."
Der Direktor,- ich hatte
ihn schon fast vergessen.
"Dr. Akagi, es ist
offensichtlich das der Junge es nicht tun will. Ich denke nicht, das es irgend
etwas gibt, das ihn umstimmen wird."
"... Sie haben recht. Würden Sie dann bitte den nächsten
Kandiaten rufen?"
"Nächsten Kandiaten?" fragte ich.
"Ja. Für den Fall, das jemand ablehnt, so wie du, gehen wir
zum nächsten Kandiaten auf der Liste. In diesem Falle sind zwei deiner
Klassenkameraden Kandidaten."
"W-wer?" Mein Mund war mit einem Mal staubtrocken. Was,
wenn es Hikari wäre? Oder Kensuke? Vielleicht sogar Hotaru?
"Du gehörst nicht zu NERV. Daher ist diese Information für
dich nicht von Wichtigkeit."
Ich beobachtete, wie der Direktor zur Sprechanlage ging. Dr. Akagi
erzählte irgendwas von vertraulichen Informationen, doch ich hörte nicht hin.
Meine Augen hingen einzig und allein an den Lippen des Direktors...
"Bitte schicken sie..."
Ich konnte nicht... Ich konnte nicht zulassen, dass es jemand
anderen treffen würde, nur weil ich Angst hatte. Ich konnte es einfach nicht
zulassen.
"HALT!!!"
Sie sahen mich an, als ob ich verrückt geworden wäre. Ich atmete
schwer als ich wieder aufstand.
"Ich-"
Nein, sag das nicht..
"Ich werde-"
Tu's nicht! Es wird dich umbringen..
"Ich werde es tun."
NEIN! BIST DU DÄMLICH !?! WAS IST MIT HIKARI!?! WAS IST MIT DEINER
SCHWESTER!?!
"Unter einer Bedingung."
"So? Und die wäre?"
"Meine Schwester bekommt die Beste medizinische Versorgung,
die NERV zu bieten hat."
"Hmmm... Das muss ich erst mit dem Kommandanten besprechen,
aber ich denke, das wird schon in Ordnung gehen. Willkommen an Bord..."
Sie streckte ihre Hand aus, um meine zu schütteln. Ich wollte nicht, doch man
hatte mir beigebracht höflich zu sein,- zumindest ein wenig.
Und so schüttelte ich ihr die Hand.
Ich hasste dieses Gefühl.
Ich schlich langsam zurück ins Klassenzimmer. Ich hatte es nicht
eilig Hikari oder Kensuke gegenüber zu treten, und ich war verdammt glücklich
das Shinji und Asuka fehlten. Ich dachte zwar nicht, das es Rei interessiert
hätte, doch um ehrlich zu sein, war es mir ganz recht das auch sie fehlte. Ich
wollte keinem von ihnen gegenüber treten. Ich wollte nicht, dass sie es
erfuhren. Doch vor allem hatte ich keine Ahnung wie ich Hikari heute Abend
unter die Augen treten sollte.
"Touji?"
"Hmm?"
"Wach auf, Touji."
"Oh, hey Kensuke."
"Ist der Unterricht so langweilig?" fragte er, während
er seine Kamera aufhob und schliesslich begann ein paar der Mädchen auf der
anderen Seite des Klassenzimmers zu filmen.
"Ha.. ja, sowas in der Art.." Es schien, als ob die
Mädchen gerade Hotaru über Shinjis Verbleiben ausfragten. Ich sah das Hikari
auch dabei war und Schadenbegrenzung betrieb.
"Also was wollte der Direktor von dir?" Die Mädchen
schienen es wohl ernst zu meinen und wurden aggressiver. Hotaru versteckte sich
mittlerweile regelrecht hinter Hikari, die ihrerseits versuchte die Meute zu
bändigen.
"Oh..." ich war zu müde mir eine gute Lüge auszudenken,
doch die Wahrheit konnte ich Kensuke auch nicht sagen. Er wäre ausgeflippt und
bald wüsste es jeder und das wäre es dann. Und wenn es dann auch noch Shinji,
Asuka und Hikari erfahren würden....
"Ist etwas mit deiner Schwester?" fragte Kensuke, und es
klag, als ob er wirklich besorgt war. Das überraschte mich. Er hatte noch nie
viel Mitgefühl für Andere gezeigt,- lag wohl an all dem Militär- und Mecha-kram
mit dem er sich pausenlos beschäftigte. "Ich meine, du willst doch nicht
etwa wieder Shinji deshalb zusammenschlagen, oder? Du weißt doch wie du dich
danach gefühlt hast..."
"Ach Quatsch. Sie wird in ein besseres Krankenhaus verlegt
und.. äh.. sie muss vielleicht irgendwie an ihren Beinen operiert werden... Ich
weiss es nicht genau, und darum... werde ich sie heute abend besuchen."
"Ist es so schwer, zu sagen, dass du dir einfach nur Sorgen
machst?" spottete Kensuke.
"Ach halt den Rand, du kleiner Freak." ich kreuzte die
Arme über meiner Brust und sagte so männlich wie ich nur konnte: "Ich bin
ein Kerl, Kensuke. Und Kerle zeigen nie ihre Gefühle. Das ist einfach nicht
männlich!"
"Oh wirklich, Touji?" meinte Hikari als sie zu uns
herüber kam, mit Hotaru im Schlepptau.
"Ähhh... Klassensprecherin... Ich meine..."
"Pantoffelheld..." murmelte Kensuke.
"HALT DIE FRESSE!" schrie ich. "Und wenn ich mich
recht erinnere," sagte ich und rollte meine Ärmel auf. "Dann hast du
ein paar Fotos, die ich haben will!"
"Touji Suzuhara! Du setzt dich jetzt sofort wieder hin!"
Seuftz "Ja, Klassensprecherin...."
"Gut so. Und du weißt ja, dass du diese Woche zusammen mit
Ayanami Aufräumdienst hast."
Oh, Mist, und ich wollte Mari besuchen gehen...
"Hey Hotaru, wie kommt es das du heute so gesellig
bist?" meinte Kensuke.
"Um na ja..." Mann, sie wurde auch wegen jeder
Kleinigkeit rot, oder?
"Die anderen Mädchen wollten sie einfach nicht in Ruhe
lassen, und darum ist sie jetzt bei mir." erklärte Hikari. "Die
sollten mal lernen die Privatsphäre anderer Leute zu achten..." Dann liess
sie sich auf meinen Tisch fallen und begann meinen Kopf zu streicheln.
"Hmmm... Also, dann ist jetzt wohl Freiarbeitszeit, oder
?"
"Ja," begann Kensuke und filmte einmal mehr die Mädchen
in der Ecke vom Klassenzimmer, "Aber sag mal Touji, wie willst du dann
Mari besuchen? Ich meine, wenn du nach dem Unterricht noch aufräumen musst und
du hast auch noch nichts zu Mittag gegessen."
"DU hast noch nichts zu Mittag gegessen!?" fragte Hikari
überrascht.
"Nööö.."
"Du siehst auch garnicht gut aus, Touji... Du hast doch nicht
Fieber, oder?" Mann, war die besorgt. Sie legte ihre Hand auf meine Stirn
und dann auf ihre eigene.
"Mari wird in ein anderes Krankenhaus verlegt...."
"Oh Touji, das wusste ich nicht! Möchtest du das ich jemand
anderen bestimme, der diese Woche deinen Aufräumdienst übernimmt?"
"NEIN! Ich meine, nein danke. Das wäre nicht fair. Ich komme
schon klar." Wie sollte ich ihr erklären, dass ich diese Zeit, wo ich für
mich allein war, brauchte? Ausserdem gab es mir die Gelegenheit, zu überlegen,
wie ich Mari am Besten beibringen konnte, dass man sich von nun an besser um
sie kümmern würde.
"Ich könnte dir doch Touji!" schlug Hikari vor.
Mach' es mir doch nicht so schwer, verdammt! Denken Touji,
denken...
"Mach' dir 'mal keine Sorgen Klassensprecherin.. Und
überhaupt, wer sollte denn dann das Abendessen bei euch zu Hause kochen?"
"Ach das stimmt ja. Wenn ich es nicht mache, dann macht es
keiner..."
"Du bist heute Abend bei Hikari zum Abendessen?
Menschenskinder du gehst aber ran!"
Diese Bemerkung brachte Kensuke einen
ansatzlosen Schlag von Hikari und mir ein.
"Und abgesehen davon," fügte ich hinzu und rieb den Teil
meiner Faust die eben noch mit Kensukes Schädel Kontakt gehabt hatte "Du
glaubst doch wohl nicht das Hotaru auf ihrem Weg nach Hause unbehelligt bleiben
wird, oder?"
"Nein, wahrscheinlich nicht..."
"W-was meinst du damit?" fragte Hotaru und dieses Mal
schien sie sich tatsächlich zu fürchten...
"Na ja, wenn die wirklich neugierig sind, und das sind sie,
dann werden die dich wohl bis zu deiner Wohnung verfolgen und versuchen, es aus
dir raus zu quetschen."
"Ich.. Ich verstehe..."
"Und wenn Perverslinge wie Kensuke hier-"
"HEY!"
"- dich bis nach Hause verfolgen, dann könnte es sogar noch
schlimmer kommen."
"Oh mein Gott..." seufzte sie.
"Keine Angst, ich werde mit dir nach Hause gehen!" sagte
Hikari fröhlich.
"D-Danke schön.."
"Kein Problem." meinte sie lächelnd und drehte sich dann
zu mir. "Bei all den Schularbeiten und was ich sonst noch zu tun habe,
wird das Essen sicher nicht vor halb Acht fertig sein. Kannst du das schaffen ?"
"Klar doch, Klassensprecherin. Ich mein', hey, ich bin heute
echt früh aufgestanden, damit ich nur nicht zu spät dran bin..."
Sie kicherte. Es war ein angenehmer Anblick und ich hätte den
Teufel getan, etwas zu sagen, das sie beunruhigt hätte. Ich wollte, das sie
glücklich war. Ich wollte nicht das sie traurig war. So wie in diesem Moment
wollte ich sie immer lachen sehen.
Und da kam mir dieser Gedanke...
Ist das Liebe ?
Ich wusste es nicht.
Doch sie so lächeln zu sehen... Das machte einen Kerl wie mich doch
manchmal nachdenklich...
Als die Schulglocke läutete rannten alle raus und ich blieb zurück
um aufzuräumen. Hikari begleitete Hotaru nach Hause und Kensuke wollte mit
Aufräumdienst nix zu tun haben und so war ich allein. Ich seufzte zufrieden.
Jetzt hatte ich endlich Zeit darüber nachzudenken, was ich Mari sagen würde und
mir eine Entschuldigung auszudenken, die ich den anderen auftischen könnte.
Aber alles der Reihe nach...
Ich holte eine Bento-Box heraus, die Hikari für mich gemacht
hatte. Ich hatte nicht zu Mittag gegessen und trotz allem was vorgefallen war,
war ich ziemlich hungrig. Also runter mit dem Deckel und die Eßstäbchen
gewetzt. Ein kleiner Zettel fiel aus dem Deckel... Ich hob ihn auf und las:
"Touji-Chan:"
"Danke das du Samstag Nacht so aufrichtig zu mir warst."
Oh Mann.
Das machte die Dinge nicht gerade einfacher...
"Touji-niichan!!"
"Heh, Mari! Wie geht es dir?"
"Gut geht's mir!" rief sie mit ihrer hellen Kinderstimme
als sie mit ihrem Rollstuhl in meine Richtung rollte.
"Sie ist so ein liebes nettes kleines Mädchen." sagte
die Oberschwester, eine Dame von Ende Zwanzig mit braunen Haaren (die auch
nicht schlecht aussah, wie ich hinzufügen möchte.) "Ich lasse euch zwei
dann alleine."
Ich nahm Mari auf den Arm, wobei ich mir grosse Mühe gab, die
Verbände an ihrem Bauch und ihren Beinen nicht durcheinander zu bringen. Es
machte ihr Spass und sie kicherte. So wie Hikari trug sie ihr schwarzes Haar in
zwei kleinen Zöpfen und hatte ein ebenso hübsches Gesicht. Mari sah so sehr wie
Mutter aus, das es mir beinahe schon Angst machte. Wenn sie einmal erwachsen
wäre, dann wäre sie sicher der Schwarm aller Männer.
"Höher! Höher! Ich will fliegen!" rief sie. Ich hob sie
höher und sie streckte ihre Arme aus, so als würde sie fliegen. Wie jedesmal,
wenn ich sie so in die Höhe hob, fiel mir auch diesmal auf, das ihre Beine
immer noch schlaff herunter hingen. Ich hasste diesen Anblick. Die Engel hatten
ihr das angetan... Diese Bastarde...
"Nii-chan? Geht es dir gut?"
"Hä?" Ich setzte sie zurück in ihren Rollstuhl und
zupfte ihr Nachthemd zurecht. "Klar geht es mir gut. Und um ehrlich zu
sein, hab' ich sogar tolle Neuigkeiten für dich."
"Wirklich!? Ich habe auch gute Neuigkeiten!!" sagte sie
und lachte. "Kuck mal was ich schon kann!!" Sie sah hinunter zu ihren
Beinen und dann, mit einem Mal begann sich ihr linkes Bein zu bewegen. Sie hob
es, bis es ganz gerade war, bevor sie es dann wieder hinunter fallen liess. Und
dann machte sie das Gleiche auch noch mit dem anderen Bein. Ich war wie
versteinert gewesen. Das war unglaublich! Als man sie hier her gebracht hatte,
hatten die Ärzte gesagt, dass es kaum Hoffnung gäbe, dass sie jemals wieder
laufen könnte. Doch jetzt konnte sie ihre Beine schon wieder bewegen! Und wenn
sie erst einmal in einem von NERVs Krankenhäusern wäre...
"Mari-chan, das ist grossartig!"
"Mmm-Hmmm! Und welche tollen Neuigkeiten hat Nii-chan!?"
"Na ja... Du wirst in ein besseres Krankenhaus verlegt. Da
wird man sich noch besser um dich kümmern, und alles wird einfach viel.. besser
sein.- Wirklich."
"Wow! Juhuuuuu!" Sie warf ihre Hände in Höhe und
kreischte vor Glück.
Und da habe ich erst gemerkt das ich weinte.
"Nii-chan...?"
"Mari..." Oh Mann. Da heulte ich wie ein Schlosshund vor
meiner kleinen Schwester. Gott, was fühlte ich mich erbärmlich...
"Was ist denn?"
Ich stand auf und wischte mir die Tränen aus den Augen. Dann
schloss ich die Tür und legte sie auf ihr Bett. Ich zog einen Stuhl heran und
setzte mich neben sie.
"Touji-Nii-chan?"
"Mari... Du kennst doch diese grossen Roboter?"
"Ja! So welche wie Shinji-nii-chan einen steuert!!"
"Du hast ihn doch erst einmal getroffen, Mari. Meinst du, du
solltest ihn wirklich Shinji-nii-chan nennen ?"
"Ich mag Shinji-nii-chan! Er ist nett."
Es hatte keinen Sinn mit ihr zu streiten. Sie gewinnt immer, jedes
Mal. Und so wischte ich nochmal über meine Augen und begann von Neuem. "Na
ja, ich werde einen dieser grossen Roboter steuern..."
Sie sagte keinen Ton mehr. Sie wusste, dass Shinji es gewesen war,
der sie verletzt hatte, aber sie hatte auch verstanden, dass wir alle ohne
Shinji jetzt tot wären. Doch was Mari in diesem Moment bedrückte, war wohl
etwas, das sie aus unseren Gesprächen und aus dem Treffen mit Shinji gelernt
hatte; nämlich das die EVAs denen, die sie steuerten, nichts ausser Schmerz und
Leid brachten.
"W-warum?" fragte sie.
"Damit man sich besser um dich kümmert.."
"DAS IST MIR EGAL!!! ICH WILL MEINEN NII-CHAN NICHT
VERLIEREN!!! ICH WILL MEINEN GROSSEN BRUDER NICHT VERLIEREN!!!"
"Mari..."
Sie packte mein Hemd und begrub ihr Gesicht darin.
"Ich will dich nicht verlieren, so wie Mami..."
flüsterte sie.
"Mari-chan..."
Fünf Jahre war es her...
Nein, ich wollte mich nicht daran erinnern. Nicht jetzt.
"Tu's nicht mir zu Liebe..." flehte sie. Jetzt klang sie
sogar schon wie Mutter. "Bitte, tu's nicht. Was ist wenn du.." doch
sie brachte den Satz nicht zu Ende. Sie begann einfach wieder zu weinen. Ich
legte meine Arme um sie und begann von Neuem...
"Mari, erinnerst du dich wie traurig Shinji ausgesehen
hat?"
"Mmm-Hmm..."
"Ich will nicht, dass andere genau so aussehen. "
"Nii-chan?"
"Ausserdem, naja, da ist dieses... Mädchen... "
Mit einem Schlag erhellte sich ihr Gesicht.
"Nii-chan hat 'ne Freundin!!"
"Äh... phh... ja..."
"Nii-chan hat 'ne Freundin! Nii-chan hat 'ne Freundin!"
Nachdem sie noch ein wenig mehr gekreischt hatte, beruhigte sie
sich dann zu guter Letzt wieder.
"Aber ich will nicht, dass du verletzt wirst." sagte sie
und dann die Art wie sie es gesagt hatte; nüchtern, ausdruckslos, ja fast schon
monoton. Mutter hatte manchmal genau so gesprochen.
"Das wird nicht passieren Mari. Ich verspreche es."
"Wirklich?"
"Wirklich."
"Touji, was ist los!?"
"Was meinst du Hikari ?" Scheinbar hatte sie schon eine
ganze Weile an der Türe auf mich gewartet.
"Deine Augen sind ganz rot... Hast du etwa geweint?"
"Ach Quatsch, natürlich nicht! Irgend so'n Auto hat mit beim
Vorbeifahren Staub ins Auge gewirbelt!" Verdammt! So sauer hatte ich nicht
klingen wollen.
"Ent-Entschuldigung, Touji..."
"Oh nein... das ist schon Okay... Ich bin doch nicht sauer
auf dich,- nur auf dieses dämliche Auto." Oh Mann, da ging ich noch nicht
mal eine Woche mit ihr und lüge sie schon an.
"Ich möchte einfach nur einen guten Eindruck auf deine
Familie machen, das ist Alles." fügte ich hinzu und das war ja auch die
Wahrheit. Immerhin, wenn ich heute Abend schon im Mittelpunkt stände, dann
wollte ich ja auch gut aussehen.
"Oh. Ja dann..." Wir standen eine ganze Weile nur so rum
und keiner von uns fühlte sich so richtig wohl. Ich denke ich sollte mir hinter
die Ohren schreiben, nie mehr meine Stimme gegen sie zu erheben. Niemals.
"Es tut mir leid, wenn ich etwas laut geworden bin,
Klassensprecherin."
"Ach das ist schon gut. Warum kommst du nicht einfach
rein?"
"Ist gut."
Der Rest des Abends verlief ganz nett, trotz all den Fussangeln,
die auf mich warteten. Ihr Vater schien ein netter Kerl zu sein und er stellte
auch nicht all zu viele Fragen. Und die wenigen gut versteckten vagen Drohungen
und so,- dass war wohl etwas, das alle Väter von Töchtern taten. Und selbst
dabei kam es mir vor als ob er es nicht ernst meinte.
Eigentlich war es nämlich Kodama, die mich nach allen Regeln der
Kunst verhörte. Doch als sie dann endlich damit fertig war, Hikari und mich so
richtig in Verlegenheit zu bringen, da war sie den Rest des Abends über recht
freundlich zu mir.
Nozomi, Hikaris kleine Schwester, war die ganze Zeit über sehr
still. Was mich verwunderte, war, dass scheinbar viel mehr Ähnlichkeit mir
Hikari hatte als mit Kodama. Merkwürdig.
Hikari servierte das Abendessen und half mir dann schliesslich die
verbalen Attacken von Kodama und ihrem Vater abzuwehren. Ich glaube da wurde
mir klar, dass Hikari und ihre Schwestern versuchten die Lücke in der Familie
auszufüllen, die der Tod der Mutter hinterlassen hatte. Kodama erwähnte, dass
sie sich um die Finanzen kümmerte, Hikari kümmerte sich um das Kochen und das
Wohlergehen der Familie und Nozomi hielt alles blitzblank sauber. Es war
irgendwie merkwürdig. Wohl besonders weil es in meiner Familie so etwas nicht
gab.
Na ja, abgesehen von Kodamas gnadenlosem Kreuzverhör und den
ständigen prüfenden Blicken ihres Vaters, habe ich mich wirklich amüsiert. Nach
dem Essen redeten wir,- zuerst über ganz belanglose Dinge und dann über unsere
Familien. Ich fand heraus, das Hikaris Mutter noch ein Jahr früher als meine
Mutter gestorben war. Wir sprachen auch ein wenig über meine Schwester und über
Tokyo-3. Als ihr Vater dabei das Wort 'Umzug' erwähnte, war Hikari nicht gerade
begeistert. Ich war es auch nicht.
Doch dann gingen uns irgendwie die Themen aus, und ich musste nun
auch wirklich langsam nach Hause gehen. Vater würde bald von der Arbeit kommen
und ich musste mit ihm ja noch über das reden was... na ja, was passiert war.
Also verabschiedete ich mich und Hikari begleitete mich noch ein Stück.
"Geht es dir gut?" fragte Hikari, als wir auf die
Strasse traten.
"Ja... ich mache mir nur Sorgen um Mari..." Und das tat
ich wirklich, nur dass andere Dinge mir noch mehr Sorgen machten. Ich hoffte
das sie nicht nachbohren würde, denn ich hasste es, sie schon wieder zu belügen.
"Sie wird schon wieder werden, Touji." sagte sie als sie
zärtlich mein Hand nahm. "Immerhin hat sie doch jemanden wie dich, der
sich um sie kümmert."
"Klassensprecherin..."
Hikari stellte sich auf ihre Fußspitzen und küsste mich sanft auf
die Lippen.
"Ich habe deine fürsorgliche Seite schon immer geliebt,
Touji-chan..." flüsterte sie in mein Ohr.
"H-Hikari..."
"Gute Nacht." Sie liess mich los, machte einen Schritt
zurück und ging dann zurück zur Haustüre.
"Ummm... Klassensprecherin?"
"Hmm?"
"Danke für das Abendessen." Ich versuchte ihr mein
schönstes Lächeln zu schenken, und das war gar nicht so einfach, so nervös wie
ich war. Eigenartig. Da hatten wir ein paar Nächte zuvor... - und trotzdem,
hatte ich immer noch, sobald ich in ihrer Nähe war, eine Gänsehaut.
"Du musst mir nicht danken, Touji. Wir sehen uns dann
morgen." Mit den Worten und einem Lächeln auf den Lippen hüpfte sie
glücklich ins Haus zurück. Und als ich sie so ansah, dieses wunderhübsche
Lächeln auf ihrem Gesicht...
da fragte ich mich wieder.
War das Liebe?
Ich ging in unser Haus und legte meine Schlüssel bei Seite. Es war
schon beinahe Zehn und der Ereignisreiche Tage hatte mich geschafft. Ich ging
in de Küche um mir ein Glass Wasser zu holen. Das Gespräch mit Vater würde wohl
bis morgen warten müssen.
"Touji" sagte er und vor Schreck liess ich mein Glas in
die Spüle fallen. Glücklicherweise hatten wir nur Plastikbecher, also ist
nichts zerbrochen.
"Heh. Hab' ich dich etwa erschreckt?"
"Das kannst du laut sagen." Ich reichte in die Spüle und
nahm mein Glas wieder in die Hand. "Ich dachte du wärst schon-"
"Ich weiss, was heute passiert ist."
"Va-Vater?" Verdammt! Sie mussten ihn angerufen haben!
Dabei hatte ich ihnen doch ausdrücklich gesagt, dass ich es ihm erklären
wollte!
"Weißt du, wir haben da so eine Wette auf der Arbeit."
begann er und setzte sich an seinen Platz am Tisch. "Ein Kollege von mir
arbeitet in Sektion 2 und wir wetten mit ihm dann, wie lange es dauert die EVAs
zu reparieren, wie lange ein Kampf dauert, was Katsuragis Konfektionsgrösse
ist... na ja, du weißt schon, all so'n Quatsch.."
"Vater?"
"Na ja und als es heute schliesslich darum ging, wer der
nächste EVA-Pilot ist, da kannst du dir wohl vorstellen, wie überrascht ich
war, als wir erfuhren, das es mein Sohn ist." Er lächelte. Dieser hagere,
vierzig Jahre alte Mann, der kaum zu Hause war,- der seit Mutters Tod kaum
etwas anderes getan hat als sich regelrecht zu Tode zu arbeiten,- er lächelte.
"Und wir haben auch herausgefunden, warum du es tust und
unter welcher Bedingung.
Ich schaute auf den Boden. Ich wusste nicht warum, aber ich
schämte mich...
"Du hast deine Schwester sehr gern und sorgst dich sehr um
sie, Touji und das macht mich froh." Er lachte von Neuem.
"Vater?"
"Aber du musst es nicht tun, wenn du es nicht tun willst."
"Warum sagst du das jetzt ?"
"Weil du mein Sohn bist."
Was meinte er? Ich wusste, dass er mich liebte, aber trotzdem
verstand ich nicht so recht, was er mir zu sagen versuchte...
"Ich weiss wieviel Schmerz diese Dinger bringen, Sohn. Meine
Kollegen und ich, wir führen Buch über jeden Piloten und wir wissen was da vor
sich geht."
"..."
"Ich will dich nicht auch noch verlieren, so wie deine
Mutter. Ich will nicht das du verletzt wirst, so wie deine Schwester. Ich will
nur, dass du aufwächst und glücklich bist.
"..."
"Kinder sollten keine Soldaten sein, Touji."
"... und was ist dann mit Mari?"
"Sie wird es durchstehen. Sie ist doch eine Suzuhara, oder
?" Er lächelte wieder.
Ich dachte über seine Worte nach. Dad wäre mir nicht böse wenn ich
'nen Rückzieher machen würde. Und ich hatte heute mit eigenen Augen gesehen,
wie gut es Mari schon wieder ging. Sie wäre in Null-Komma-Nix da raus. Ich
könnte es einfach sausen lassen...
Und jemand anderen das Leid ertragen lassen.
"Ich... Ich kann aufgeben... Ich kann nicht davor weglaufen,
Vater...
"Touji?"
"Wenn ich es nicht tue, dann muss es ein anderes Kind
tun!" Ich zerquetschte den Plastikbecher in meiner Hand. "Und genau
darum darf ich keine Angst haben. Ich... muss es tun. Denn dieses andere Kind
könnte einer meiner Freunde sein." Oder..
"Ich verstehe." Vater stand auf um aus der Küche hinaus
zu gehen, doch dann drehte er sich noch einmal zu mir um. Er lächelte immer
noch.
"Ich bin sehr stolz auf dich, Touji."
Und dann ging er zu Bett.
DIENSTAG (WIEDERMAL)
Ach, was brachte es, wenn ich den Rest meines Lebens nur noch
jammerte ? Und wenn ich so darüber nachdachte, dann war es vielleicht gar nicht
so eine üble Sache einen EVA zu steuern. Ich meine, Vater war stolz auf mich;
Mari würde die beste Pflege bekommen, die es gibt; Ich würde vom Unterricht
befreit sein...
Und Hikari konnte sich ununterbrochen Sorgen um mich machen; Ich
hatte die Gelegenheit beim Angriff eines Engels drauf zu gehen; und Schmerz und
Leid würden meine besten Freunde werden.
Na ja zumindest könnte ich Asuka tierisch auf den Wecker gehen.
Seufz.
Ich geh dann wohl besser los und hol' Hikari ab.
"Mach dir keine Sorgen um mich, Klassensprecherin!"
"Na hör mal, Touji! Seit du gehört hast, das Mari verlegt wird machst du ein langes
Gesicht. Dabei hast du gestern abend doch selbst gesagt das es nur zu ihrem
Besten ist oder ?"
"Na ja..."
"Also, was bedrückt dich dann?" Auf ihrem Gesicht... Ich
kann es nicht beschreiben. Sie scheint so beunruhigt und in Sorge... Es... es
tut mir im Herzen weh. Alles was ich tun muss, ist es ihr zu sagen. Alles was
ich tun muss, ist es ihr einfach nur...
"Nichts! Es ist nichts. Mach dir keinen Kopf darum!"
"Aber..."
Ich versuche sie zum Schweigen zu bringen in dem ich sie bei der
Hand nehme. "Komm jetzt, nachher kommen wir noch zu spät!" Und dann
renne ich los in Richtung Schule, ihre Hand immer noch fest in meiner.
"Suzuhara! Seit wann intessiert es dich, ob du zu spät kommst
oder nicht?" sagt sie und ein kleines Lächeln huscht über ihr Gesicht..
"Seit die Klassensprecherin meine Freundin ist!"
Sie kichert.- Ich lache.- Und ich bin umschiffe erfolgreich die
Klippe, es ihr zu sagen.
Gott, ich fühl' mich wie Shinji.
Im Klassenzimmer ist es langweilig,- wie üblich. Wiedermal kreisen
die Geier über Hotaru und versuchen 'was über Rei, Shinji und Asuka aus ihr
'raus zu bekommen. Mir fällt auf, dass Kensuke auch dabei ist. So ein Idiot.
Hikari betreibt die übliche Schadenbegrenzung und sie ist gerade zusammen mit
Hotaru auf dem Weg zu mir, als Asuka herein kommt.
Mit einem Schlag wird es still. Sie geht langsam zu ihrem Tisch
und lässt sich in ihren Stuhl fallen. Normalerweise würde ich einen
Scheissdreck darum geben, was tut oder nicht tut, aber heute war das anders.
Sie sah aus als ob jemand das letzte Fünkchen Leben aus ihr
gesaugt hatte.
Nach einer Weile erliegt einer der Jungs dann schliesslich einem
Anfall von Neugier oder seinem Drang zur Selbstverstümmelung und er geht zu
ihr, um mit ihr zu reden. Er stellt ihr ein paar Fragen, bekommt aber keine
Antwort oder irgendeine Reaktion von ihr. Dann legt er seine Hand auf ihre
Schulter, vielleicht wollte er ja testen, ob sie überhaupt noch lebt....
"NIMM DEINE DRECKSFINGER VON MIR!"
Es scheint mir, als ob die ganze Klasse in dem Moment ein paar
Schritte zurück weicht.
"WIE KOMME ICH DENN DAZU DEINE DÄMLICHEN FRAGEN ZU
BEANTWORTEN!! MEIN LEBEN IST MEINE SACHE,- UND JEDER DER WAS DARÜBER WISSEN
WILL KANN VON MIR AUS ZUM TEUFEL GEHEN!!"
Das gesagt, lässt sie einfach wieder in ihren Stuhl fallen. Hikari
geht hinüber zu ihr und zieht ihre üblich Klassensprecher-Masche ab. Asuka
lässt es kommentarlos über sich ergehen.
Ich glaube Hikari wird heute den ganzen Tag an ihrer Seite kleben.
"Versteh mich nicht falsch, Klassensprecherin, aber ich
denke, es ist nicht gerade günstig, wenn ich mich in Asukas Nähe
aufhalte."
"Ich weiss schon, aber.."
"Sie ist doch deine Freundin, oder ? Und ausserdem sehen wir
uns doch sowieso heute Abend , stimmt's?"
"Na ja, das stimmt schon..."
"Na also, dann mach' dir mal keine Sorgen. Und später kucken
wir zwei uns dann zusammen den Film an, den du sehen wolltest."
"Wirklich?"
"Ja, ich lade dich ein." - Auch wenn es so'n Weiberfilm
war. Es war ein kleines Opfer wenn ich so an die Lügen dachte, die ich ihr in
den letzten Tagen aufgetischt hatte.
"Toll!" Sie springt auf und gibt mir einen flüchtigen
Kuss auf die Wange. Dann rennt sie zurück zu Asuka.
Als ich dann am Ende des Tages so den Klassenraum sauber mache,
wird mir bewusst, wie schnell der Tag vorüber gegangen war. Ob es wohl daran
liegt, das ich so niedergeschlagen bin? Ich muss Shinji wohl mal fragen wie er
damit fertig wird.
Und ich muss vor Allem damit aufhören mich staändig mit ihm zu
vergleichen. Klar, er ist ein netter Kerl, aber ich bin nicht er. Und er war
nicht ich...
Ich grinse zuerst nur, doch dann breche ich in schallendes
Gelächter aus. Ich habe keine Ahnung was so lustig war. Vielleicht liegt es nur
daran, dass ich mir kaum Shinji in einem Sportanzug vorstellen kann,- und erst
recht nicht bei dem Versuch jemanden in den Boden zu rammen, der...
Der beinahe seine
Schwester umgebracht hätte.
Mann eh.
Ich setze mich auf einen der Tische. Ich weiss, ich hätte ihn
nicht schlagen sollen, doch ich war damals so wütend gewesen! Ich schaue
hinunter auf meine Hand, mit der ich ihn geschlagen hatte.
Ich erinnere mich genau daran.
Ich sehe ihn, wie er zu Boden fällt... Ein Tropfen Blut kommt aus
seiner Nase.
Ich erinnere mich wie ich weg gehe,- sicher, dass ich gerade die
großartigste Tat auf der ganzen Welt vollbracht hatte.
Und dann erinnere ich mich, wie er Kensukes und meinen Arsch
gerettet hat, auch wenn man ihm danach die Hölle heiss machen würde. Obwohl ich
ihn verprügelt hatte.
Mann.
Seufz.
Ich mache noch schnell meinen Aufräumdienst fertig und kurze Zeit
später bin ich dann auch schon auf dem Weg zum NERV Hauptquartier. Und immer
wieder höre ich das Geräusch meiner Faust, wie sie Shinji trifft.
"Touji?"
"Ja, Misato?"
"Äh, eigentlich solltest du mich hier Siezen und mit Captain
Katsuragi anreden, na aber weil du eigentlich ganz niedlich bist, will da mal
nicht so sein."
Hehe. Sowas tut doch mal gut. Natürlich war es kein Vergleich zu
dem Windzug, der ein paar Sekunden später Misatos Minirock noch ein wenig höher
rutschen liess. Dank sei luftdichten, automatischen Türen und Rolltreppen.
"Ohh.. Ich hasse diese Dinger!"
Ich versuche mein Lachen zu unterdrücken, aber irgendwie klappt
das nicht.
"Und du Suzuhara, stehst dir am Besten, wenn du nichts
gesehen hast!"
"Äh, Jawohl, Ma'am." sagte ich und salutierte. Wir
lachten einige Augenblicke lang, und setzten unsere Fahrt schliesslich wortlos
fort.
Nach ein paar Minuten brach Misato die Stille...
"Touji..."
"Ja, Misato?"
Sie dreht sich zu mir herum und ich merke, wie mein Blick sofort
zu ihrer Brust geht. - Alte Gewohnheit wohl... - Auf jeden Fall bekomme ich
meine Augen wieder unter Kontrolle, noch bevor sie etwas merkt. Ein Reflex, den
ich wohl ziemlich gut trainiert hatte, seit ich mit Hikari zusammen war.
"Warum hast du dich entschieden, das hier zu tun?"
Mitleid sprach aus ihren Augen als sie mich ansah.
"Du machst dir Sorgen, wie Shinji es aufnehmen wird, oder
?" antworte ich und sie lächelt.
"Du bist ja garnicht so ein Dorftrottel, wie Asuka immer
behauptet."
"Asuka kann mich mal kreuzweise."
"Nanana, Touji."
Seufz. "Tut mir leid. Aber um auf die Frage zurück zu
kommen... Ich bin mir da selbst nicht sicher."
"Hmm?"
Ich schaue zum den Rand der Rolltreppe und das Fenster nebendran
lässt mich einen Blick auf den Himmel über der Geofront werfen.
"Ich denke ich mache es, weil die Leute um mich herum
beschützen will."
Sie lächelt von Neuem.
"Weiss... Shinji Bescheid?" frage ich.
"Ich... habe es ihm noch nicht gesagt." Ihr Blick geht
hinaus durch das gleiche Fenster, durch das auch ich schaue.
"Ich.. kann mich auch nicht dazu bringen es ihm zu sagen. Ich
hatte gehofft du könntest es, Misato."
"Ich will ihn nicht noch mehr verletzen, als er es ohnehin
schon ist, Touji. Ich habe Angst, das ihm mehr Schaden als Nützen wird, wenn er
es erfährt."
Ich seufze.
Unsere Unterhaltung verstummt wieder eine Weile lang.
"Misato?"
"Hmm?"
"Warum ist Ikari eigentlich immer so ein Weichei?"
Sie kichert und mit einem
Mal ist da so ein bösartiges, hinterhältiges Grinsen auf ihrem Gesicht...
"Hey, als du gesagt hast, du wolltest andere beschützen,
gab's da jemand bestimmten, an den du da gedacht hast, Touji-KUN?"
Oh Mann. Ging das wieder los...
"Misato, ich habe kei-"
"Oh, komm schon Touji! Ich weiss, das du bei eurem
Campingausflug mit Hikari in ein und dem selben Zelt geschlafen hast!"
"Woher-"
"Asuka hat es mir erzählt."
Oh Mann...
Bei NERV ging es zu wie in der Schule: Entweder war es
stinklangweilig oder du mußtest dich irgendeinem qualvollen Test unterziehen.
Abgesehen von den Untersuchungen, Bluttests, Haartests, Urinproben
und unendlichen Stunden des Wartens, wonach dann noch mehr Tests folgten, gab
es eine gute Nachricht die mich den ganzen Nachmittag ertragen liess: Dr. Akagi
hatte mir gesagt, das bei Mari schon in der nächsten Woche so eine Art
mikrochirurgische Operation anstand. Anscheinend kam es NERV ganz Gelegen,
einem zivilen Opfer helfen zu können.- Musste wohl en Schachzug der
PR-Abteilung sein. Wie auch immer, in einem Monat, wenn all die Operation
hinter ihr lägen, wäre Mari wieder auf den Beinen,- und das im wahrsten Sinne
des Wortes. Ich war so glücklich darüber, das ich den Rest der Tests mit einem
Lächeln auf dem Gesicht über mich ergehen liess.
Ich lächelte immer noch, als ich mich mit Hikari vor dem Kino
traf. Ich war sogar zu früh dran und so kaufte ich zwei Karten und zählte
gerade das Wechselgeld. Es lag wohl daran, dass Shinji ein regelmässiges Gehalt
für sich gefordert hatte und auch all die anderen Piloten bezahlt wurden,- na,
jedenfalls hatte man sich dazu durchgerungen mir einen kleinen Bonus zu zahlen,
dafür, das ich mich bereit erklärt hatte für den Haufen zu arbeiten. So war ich
zu den 5,000 Yen gekommen, was mir nicht gerade ungelegen kam. Das würde für
eine ganze Weile reichen und ich könnte Hikari auch noch etwas nettes
schenken,- so als Entschuldigung dafür, dass ich ihr nicht erzählt hatte, was
mich bedrückte. Als Hikari am Kino ankam, begrüsste sie mich mit einem Kuss auf
die Lippen, was mittlerweile schon eine Art Standard-Begrüssung war, wenn wir
allein waren. Es war bemerkenswert, wie sehr sie sich in den letzten Tagen
verändert hatte. Sie war so schüchtern gewesen,- und zugegeben, in manchen
Momenten war sie es immer noch,- doch Alles in Allem war sie inzwischen sehr
viel lockerer geworden. Und das galt besonders wenn es um... na ja,
körperlichen Kontakt ging. Damit meine ich jetzt nicht sowas wie letzten
Samstag bei dem Campingausflug.- Ein klein wenig Hautkontakt hin und wieder
reichte uns schon - etwas Banales, wie die Hand des anderen halten oder so....
"Du schienst dich besser zu fühlen, Touji." sagte sie
als wir ins Kino gingen.
"Ein wenig."
Wir setzten uns auf unsere Plätze und dann begann auch schon der
Film. Wie auch immer, mussten wir beide wohl ziemlich schnell das Interesse an
der Handlung verloren haben, denn das nächste was ich weiss, war, dass wir
ziemlich hemmungslos irgendwo in den hinteren Sitzreihen des Kinos knutschten.
Es war nicht schlecht, das sich Filme in Tokio-3 nicht gerade grösster
Beliebtheit erfreuten.- Vielleicht weil keiner gerne in Gebäude ging, die ohne
direkten Zugang zu einem Schutzbunker waren. Na ja, in dem Moment war ich
jedenfalls dankbar dafür, denn eh ich mich versah, waren wir in heftiges
Petting vertieft. Um ehrlich zu sein, kämpfte ich gerade mit dem Verschluss
ihres BH, als ein merkwürdiges aber vertrautes Geräusch meine Aufmerksamkeit von
Hikaris Unterwäsche ablenkte.
Ich schaute hinauf zur Leinwand um zu sehen was genau es gewesen
war. Und da sah ich dann wie die Hauptfigur über dem geschundenen, leblosen
Körper seines besten Freundes kauerte.
In dem Moment war mein ganzes Interesse mit Hikari rumzumachen mit
einem Schlag verschwunden.
"Hikari..."
"Touji, was ist los mit dir!?" Ich glaube da waren
Tränen in ihren Augen als sie ihre Bluse wieder zurecht machte.
"Ich glaube ich bringe dich besser nach Hause..."
Ich ging geradewegs auf mein Zimmer als ich nach Hause kam. Hikari
hatte mich den ganzen Weg über gefragt, was los sei, doch ich habe keinen Ton
gesagt. Als ich sich unsere Wege vor ihrem Haus trennten, habe ich ihr zum
Abschied einen flüchtigen Kuss auf die lippen gegeben und ihr gesagt, dass sie
morgen früh nicht auf mich warten soll. Und jetzt liege ich hier in meinem Bett
und versuche zu schlafen.
Doch der Sandmann kommt nicht...
MITTWOCH
Ich komme zu spät zum Unterricht, doch ich bin zu müde, um mir
darum Gedanken zu machen. Ich hatte die ganze letzte Nacht wach gelegen und
nachgedacht. Über Hikari ? Na ja, ein wenig.- Über Mari? Auch ein wenig.
Hauptsächlich aber über Shinji.
Gott sei Dank ignoriert der Lehrer mein Zuspätkommen. Hikari
schaut mich an und ich schenke ihr ein flüchtiges Lächeln. Ich versuche auch
noch sowas wie eine Entschuldigung darin unterzubringen, doch das klappt nicht.
Ich bemerke das Rei heute anwesend ist, Shinji jedoch fehlt immer
noch. Wie üblich scheint Rei völlig unberührt von dem, was um sie herum vorgeht.
Sieht aus, als wenn es auch wieder den ganzen Tag so bleibt. - Doch halt. Sie
dreht sich um und schaut zu mir. Einige Sekunden lang starrt sie mich an.
Sekunden, die mir wie Minuten vorkommen. Dann endlich dreht sie sich wieder zum
Fenster und schaut hinaus.
Wie schafft es Shinji nur, bei diesem Blick von ihr keine
Gänsehaut zu bekommen?
Einige Zeit später ist dann Mittagspause und für die nächste
Stunde oder so geht wieder jeder seinen eigenen Weg.
Ich ging hinauf auf das Dach und versuchte dort meine Gedanken zu
ordnen. Ich kann nicht verstehen warum ich so oft an Shinji denke! Es ist so
merkwürdig.
Ich schaue auf meine Hand.- Die Hand, die ihn geschlagen hatte.
Zweimal.
"Die EVAs bringen Schmerz und Leid. Darum kann ich sie nicht
ausstehen, Mari."
Shinjis Unterhaltung mit meiner Schwester. Ich erinnere mich
daran. Mari hatte mich gebeten Shinji mitzubringen, damit sie sich bei ihm
bedanken konnte und ich hatte ihn regelrecht hingeschleppt.- Allein wäre er nie
gegangen. Er gibt immer noch sich selbst die Schuld dafür, das Mari verletzt
wurde.
"Komm schon Ikari! Sei nicht so ein Weichei!"
Doch jetzt und hier war das Weichei, oder?
"Warum hast du dich entschieden, es zu tun?"
Misatos Frage. Weil ich die, die ich liebe beschützen will, hatte
ich geantwortet,- doch war das schon alles ? War da nicht noch etwas anderes?
Ich wollte nicht, dass es anderen Kindern genau so wie meiner
Schwester ergehen würde.
Ich hätte nie mehr meinen Klassenkameraden unter die Augen treten
können wenn es einen von ihnen getroffen hätte, nur weil ich gekniffen hatte...
Ich wusste, dass....
"Suzuhara-kun?"
"Ayanami?"
"Hai."
Der übliche emotionslose Ausdruck auf ihrem Gesicht,- er war
verschwunden. Was ich sah, war vielmehr ein Ausdruck von Mitleid.
"Was machst du denn hier oben?" fragte ich und ich
benutzte dabei wohl die gleiche nahezu ausdrucklose Stimme, die sie immer
benutzte. Ach, ich war auch einfach zu müde mir um den Klang meiner Stimme
Gedanken zu machen.
"..."
"Du weißt es, oder ?" frage ich, als ich mich zu ihr umdrehe.
Sie nickt. Ich habe es vorher nie bemerkt, doch Rei ist
ziemlich... attrakiv. Ich denke ich verstehe was Shinji fühlt wenn er sie
ansieht. Eine Art von rätselhafter Schönheit oder wie er es nennt.
"Weiss Shinji Bescheid?"
"Ich... habe es ihm nicht gesagt."
"Verstehe... wir sind schon ein riesiger Haufen
Weicheier..."
"Ich verstehe nicht..."
"Misato kann es ihm nicht sagen. Du kannst es ihm nicht
sagen. Ich kann es ja noch nicht 'mal Hikari erzählen, geschweige denn
ihm..."
"..."
"Wie macht er sich denn so? Lamentiert er denn immer noch
darüber was Sohryuu getan hat?"
"... Ich habe versucht ihn... anderweitig... zu
beschäftigen..."
Sie dreht sich einen Moment lang um und wenn ich es nicht besser
wüsste, könnte ich schwören, sie wäre rot geworden... Komisch...
"Doch ansonsten geht es ihm jetzt gut. Trotzdem denke ich,
das Sohryuu die Sache wieder etwas komplizierter machen wird."
"Heh. Ich frage besser gar nicht erst. Shinji und seine
Frauen."
"Du machst dir auch Sorgen um ihn Suzuhara-kun."
"... irgendwie schon. Ja...."
"Warum?"
"Na, weil er mein Freund ist. Er ist mein einziger echter
Freund."
"Warum ist das so?"
"Na, weil ich ihm wichtiger bin als er selbst, und das
obwohl-"
Das Geräusch einer Faust, die eine Wange trifft klingt in meinem
Kopf.
"-ich ihn geschlagen habe."
"Bist du darum so bedrückt?"
"Ja."
"Denkst du, das du es nicht wert bist sein Freund zu sein,
weil du ihn in der Vergangenheit geschlagen hast ?"
"Nein, aber.."
"Warum verhältst du dich dann so? Warum bist du
deprimiert?"
"Weil... er so viel durchgemacht hat. Ich meine, mein Leben
ist auch kein Zuckerlecken, aber ich kann mit Recht behaupten ich hatte es
besser als er." Ich drehe mich wieder um und mein Blick wandert über die
Stadt. "Ich weiss, er wird ausrasten, wenn er hört, das ich jetzt auch ein
EVA-Pilot bin. Und dann muss ich mir sein Gejammer anhören, darüber wie viel
Schmerz und Leid die EVAs bringen. - Ich meine, nicht dass er Unrecht hat. Ich
weiss das die EVAs Schmerzen bringen, ich habe es ja an ihm gesehen. Aber
trotzdem kann ich immer noch behaupten, dass mein Leben bisher glatter
verlaufen ist als seins."
"Warum hast du dann zugestimmt, einen EVA zu steuern?"
"Ich weiss nicht. Das ist die grosse Frage, denke ich."
Ich lege meine Arme auf das Geländer und versuche mich zu entspannen. Irgendwas
an diesem Gespräch mit Ayanami lässt in mir ein Gefühl der .. Unbehaglichkeit
aufkommen.. "Ich könnte dir einige Gründe nennen, aber ich bin mir nicht
sicher ob sie es wert sind das alles durch zu machen..." Ich schaue hinunter
in eines der Klassenzimmer und ich sehe ein paar Schüler, die um einen Tisch
herum stehen und lachen...
"Ich bin mir nicht sicher, ob sie es wert sind, dass ich
dafür mein Leben auf's Spiel setzte."
"..."
"Ayanami..." Ich drehte mich wieder zu ihr herum.
"Ja?"
"Was ist dein Grund?"
"Mein... Grund?"
"Ja, warum steuerst du EVA?"
Ich hatte eigentlich eine schnelle Antwort erwartet, sowas wie
'ich weiss nicht' oder so, doch da kam nichts von dem. Statt dessen schaut sie
den Horizont entlang, so als sei sie tief in Gedanken versunken. Es dauert fast
eine Minute bis sie endlich antwortet.
"Früher habe ich EVA gesteuert, weil es das Einzige war, das
ich hatte. Ich dachte, ich wäre auf dieser Welt einzig und allein um EVA zu
steuern und NERV zu schützen. "
Sie sah zu Boden und ein flüchtiges Lächeln ging über ihr Gesicht.
"Aber jetzt habe ich Shinji..."
"Also tust du es wegen Shinji?"
"Ja. Ich steuere EVA um ihn vor den Engeln zu schützen. Die
Engel können die Menschheit zerstören, und wenn die Menschheit stirbt, dann stirbt
auch Shinji."
"Aber... was wenn Shinji stirbt während er in seinem EVA
sitzt."
"Er wird nicht sterben." sagte sie und mit einem Mal war
da einen Ausdruck von Entschlossenheit auf ihrem Gesicht. "Denn ich werde
das nicht zulassen."
"Also steuerst du EVA wegen ihm."
"Ja."
Ein Bild von Hikari schiesst mir in den Kopf. - Ihr hübsches,
zufriedenes, fröhliches Lachen. - Wie ich schon sagte, ein Anblick, für den es
sich zu Sterben lohnte. Waren das jetzt einfach nur Worte oder könnte ich
wirklich mein Leben für Hikari riskieren?
Ich denke an Mari. An das Leben, das noch vor ihr liegt. Sie wird
wieder laufen können. Und auch das Lächeln auf ihrem Gesicht wird nicht
verschwinden.
Vater. Er war Stolz auf mich. Seit Mutters Tod hatten wir nie mehr
richtig die Gelegenheit gehabt miteinander zu reden, doch diese Worte von ihm
zu hören...
Und Shinji. Vielleicht würde es helfen an seiner Seite zu sein.
Vielleicht würde es die Schmerzen lindern, die die EVAs brachten. Ein Freund,
der ihn verstand und ihm helfen konnte.
EVA steuern. Bin ich überhaupt dazu in der Lage? Ich, jemand, der
nichts gelernt hatte, ausser Leute zu verprügeln, die schwächer waren ? Leute
wie...
Leute wie Shnji."
"Ayanami... Ich bin mir nicht sicher ob ich jemals einen
guten Piloten abgeben werde. Ich bin nicht verrückt danach in den Kampf zu
ziehen, so wie Sohryuu. Ich werde EVA sicher nicht mit solcher Hingabe steuern
können wie du. Vielleicht bin ich auch noch nicht einmal halb so tapfer wie
Shinji. Und um ehrlich zu sein, ich weiss ja noch nicht 'mal warum ich es
tue!" Diesen letzten Teil habe ich fast heraus geschrien und ich... Ich
stehe schon wieder kurz davor zu heulen.- Wie armseelig!
"Du hast ein gutes Herz und einen starken Willen. Du wirst
dich tapfer schlagen." Mit diesen Worten dreht sie sich um und ist im
Begriff zu gehen, doch ich stehe einfach nur da,- fasse das Geländer mit all
meiner Kraft und versuche mich nicht von meinen Gefühlen überwältigen zu
lassen. Doch eines musste ich noch tun...
"Ayanami?"
"Ja?"
"Vielen Dank."
Sie lächelt zaghaft und dann geht sie fort.
Ich hoffe Shinji wird sich für sie entscheiden.
Tokyo-3 kommt mir so... verlassen vor. Obwohl es ja im Moment
sowas wie die Rush-Hour sein sollte, sind nur ein paar Leute in den Strassen.
Ich frage mich warum?
Ach was solls, wenigstens passte sich die Stadt meinem
Gefühlszustand an...
Nach den Gespräch mit Ayanami hätte ich vielleicht doch noch für
die paar verbleibenden Unterrichtsstunden in der Schule bleiben sollen, an
statt zu schwänzen. Doch ich konnte nicht anders. Nicht wo ich noch über so
viel nachzudenken hatte, und noch so verdammt viel zu tun hatte...
Ich schaue auf die Uhr im Schaufenster eines Geschäftes. Sie zeigt
Drei Uhr am Nachmittag. War ich wirklich schon so lange unterwegs? War ich
wirklich mittlerweile schon drei Stunden lang, deprimiert und ziellos durch die
Strassen geschlichen? Ich gehe in den nächstgelegenen Park und setze mich auf
die erst-beste Bank. Mein Blick geht zum Himmel und alles was ich sehe sind
Wolken, die vorüberziehen. Und genau so fühle ich mich in dem Moment.
Vorüberziehen.. Treiben lassen.. Treiben lassen in eine Richtung,
von der ich nicht sicher bin, dass es die richtige ist...
Ich brauche Gewissheit. Gewissheit, dass ich mein Leben nicht...
für Nichts und wieder Nichts wegwerfen würde.
Nein.
Das stimmt nicht.
Ich habe einen Grund.
Nur weiss ich nicht, ob dieser Grund der Richtige ist oder nicht.
"Du hast ein gutes Herz und einen starken Willen"
Habe ich das wirklich? Kann ich es dann also tun? Ich brauche die
Gewissheit, verdammt nochmal! Ich muss sicher sein, dass ich das Richtige tue!
Aber wie kann ich es herausfinden ? Ich kann Hikari doch nicht fragen, ob ich
sie liebe. Mir ist schon klar, dass sie mich liebt, aber liebe ich auch sie ?
Shinji konnte ich bestimmt nicht fragen. Das hätte alles nur noch schlimmer
gemacht. Das Gleiche galt für Kensuke. Rei hatte mir ihre Meinung vorhin gerade
mitgeteilt und Mari und Vater hatten mir auch schon gesagt, wie sie darüber
dachten. Wer blieb denn dann noch übrig?
Mir fällt da zwar jemand ein. Jemand, der vielleicht weiss, was
ich zu tun habe....
Doch da muss erstmal die Hölle zufrieren, bevor ich mit Sohryuu
rede.
Seufz.
Aber ich muss es herausfinden. Doch nur wie?
Es sollte nochmal acht Stunden dauern, bis ich zu einer Lösung
gelangt war.
"T-Touji!?"
"Ummm.... Hi. Kann ich reinkommen? Es ist irgendwie ein
bischen kühl."
"Klar! Aber was machst du überhaupt hier!?" Sie sieht
glücklich aber auch irgendwie ein bisschen besorgt aus. Ich denke es wäre
besser gewesen nicht den Unterricht am Nachmittag zu schwänzen. Mir fällt auf,
dass sie bereits ihren Pyjama trägt, so einen Chinesischen der sich ziemlich
eng an ihren Körper schmiegt... Ich glaub' ich bin irgendwie neidisch auf den
Schlafanzug. Ich versuche den Gedanken zu unterdrücken, damit ich nicht rot
anlaufe. Sie umarmt mich und gibt mir einen flüchtigen Kuss auf die Wange.
"Sag mal, warum hast du geschwänzt und bist früher gegangen!
Wo bist du denn gewesen?"
"Tut mir leid..."
"Das sollte es auch.. Es ist ja nicht allein, dass ich mir Sorgen
um dich gemacht habe, nein, du hattest auch noch Aufräumdienst! Hotaru und ich
mussten es am Ende machen, weil kein anderer es tun wollte!" Sie kreuzt
die Arme vor ihrer Brust und schenkt mir einen ihrer gefürchteten Blicke.
"Es tut mir sehr leid. Ich wollte nicht, dass..."
Der Ausdruck auf ihrem Gesicht wird mit einem Mal viel sanfter als
sie den Ausdruck von Bedauern in meinem Gesicht sieht. Dann nimmt sie meine
Hand in ihre und streichelt sie sanft.
"Touji... was ist los?"
Mein Gott, dieser Blick. Es ist so... herzzerreißend. Ich frage
mich , wie ich es schaffe trotzdem noch einen klaren Gedanken zu fassen.
"Können wir uns unterhalten? Unter vier Augen? Ich will nicht
dass der Rest deiner Familie alles mithört."
"Das ist schon in Ordnung. Nozomi ist schon im Bett, Kodama
ist auf einer Feier und Dad kommt nicht vor morgen früh von der Arbeit nach
Hause. Wir können hier ruhig reden." Sie lächelt mich an und das hebt
meine Stimmung ein wenig. Ich versuche den Mut aufzubringen, es ihr zu sagen,
doch es gelingt mir einfach nicht..
"Schau mal hier..." sage ich und fasse in meine
Hosentasche. "Das hier habe ich für dich gekauft, als ich am
Einkaufszentrum vorbei kam. Als ich es sah, da habe ich... an dich denken
müssen." Ich hole eine kleine Brosche hervor. Sie hat die Form eines
kleinen Mädchens mit Zöpfen.
"Ohh Touji! Das ist ja soooo süss von dir!!" Sie nimmt
die Brosche aus meiner Hand und setzt an sie an das Oberteil ihres
Schlafanzuges zu stecken.
"Warte. Lass mich das machen." Ich zittere vor Nervosität
und es dauert einen Augenblick bis die Brosche schliesslich perfekt an ihrem
Pyjama steckt. Es war ein Wunder, dass ich sie bei der ganzen Fummelei mit der
Anstecknadel nicht gestochen habe...
"Danke!" Sie hüpft fröhlich und zufrieden wie ein junges
Kitz und dabei fällt mir auf, dass sie keinen BH trägt. Plötzlich küsst sie
mich direkt auf den Mund und das dann auch noch mehr als Leidenschaftlich. Erst
nach einigen Minuten trennen sich unsere Lippen wieder.
"Nochmals vielen Dank, Touji-chan." flüstert sie in mein
Ohr. Dann nimmt sie schliesslich meine Hand und ging zusammen mit mir zurück
ins Haus. Ein paar Momente vergehen, bis mir dämmert, dass sie mich in ihr
Zimmer führt. Sie muss völlig vergessen haben, warum ich hergekommen bin! Ich
muss es ihr sagen!
"Hikari..."
"Ja?"
"Ich bin hier, um mich zu entschuldigen..."
Sie dreht sich herum und sieht mich fragend an.
"Wofür entschuldigen?"
"Es tut mir leid, dass ich in letzter Zeit etwas daneben war.
Es ist nur, dass ich..."
Oh Gott! Nicht wieder ! Touji reiss dich am Riemen! Als du mit
Ayanami geredet hast, hast du dich auch zusammen gerissen und dann wirst du
doch jetzt nicht...
Doch es ist schon zu spät. Die Tränen rollen schon meine Wangen
runter.
"Ich kann's einfach nicht sagen krieg' einfach nicht raus..."
flüstere ich.
"Was kannst du nicht sagen ?" fragt sie und ein
merkwürdiger Ausdruck von Entsetzen huscht über ihr Gesicht. Doch aus Entsetzen
wird sehr schnell schiere Panik als sie zu einer Einsicht kommt.
"Oh mein Gott. Du magst mich nicht, das ist es, oder? Und du
hast es damals einfach nur so gesagt, weil du mir nicht weh tun wolltest. So
war es doch, oder nicht?" sie beginnt zu weinen und wendet sich von mir
ab. Ich fasse ihren Arm und ziehe sie näher zu mir.
"Inchou..." sage ich und schaue ihr direkt in ihre
Augen. "Glaube mir, ich mag dich. Und ich liebe dich. Sogar sehr."
und das war die reine Wahrheit. Niemand machte mich so glücklich wie sie,-
selbst wenn ich am Boden zerstört war. Niemand hatte mir in den letzten Tagen
soviel Verständnis entgegen gebracht wie sie. Und keiner, hatte solch ein
Lächeln. Keiner,- nur sie.
"Touji?"
"Inchou. Glaub' mir, ich liebe dich wirklich sehr." Ich
wische die Tränen aus meinen Augen und dann mache ich mich daran auch ihre
Tränen zu trocknen. "Egal, was war, du hast mich in den letzten paar Tagen
wirklich glücklich gemacht."
Sie nimmt mich fest in den Arm und beginnt von Neuem zu weinen.
"Oh Touji, liebst du mich wirklich?"
"Natürlich. Wie oft muss ich es denn sagen?"
"Einmal reicht..." Sie lässt mich los und küsst mich
nochmals auf die Lippen, sanft und flüchtig. "Danke..." flüstert sie
und legt ihren Kopf auf meine Brust.
Doch das lässt mein Problem leider nicht verschwinden...
"Also worüber willst du mit mir reden ?" fragt sie,
ihren Kopf immer noch an meiner Brust gelehnt.
"Etwas,... das ziemlich schlimm ist... könnte
passieren."
"Oh mein Gott! Ist es Mari? Geht es ihr gut?" fragt sie
und sofort richtet sie sich in meinen Armen auf und schaut mir ins Gesicht.
"Ihr geht es gut. Und so gesehen wir sie davon sogar
profitieren. Aber ich..."
Ich schiebe sie ein wenig von mir weg. So kann ich besser mit ihr
reden und ausserdem macht mich ihre Nähe ein wenig nervös.
"Hikari. Ich.."
Ich sehe in ihre Augen um Mut zu schöpfen...
"Ich-"
Ich schaue auf ihr Lächeln auf der Suche nach Entschlossenheit...
"Ich-"
Ich versuche in ihrem Gesicht die Stärke zu finden, das zu sagen,
was gesagt werden muss.
"I-"
Doch ich finde nichts von alledem. Statt dessen finde ich die
einzige Person auf dieser ganzen Welt, für die ich durch die Hölle gehen würde.
Die einzige Person, die ich niemals verletzten würde,- oder zulassen würde das
jemand anders sie verletzt.
Und in diesem Moment finde ich die Antwort nach der ich so sehr
gesucht hatte.
"Hikari, ich kann dir im Moment nicht das sagen, was ich dir
sagen wollte. Ich bin hier zu dir gekommen, um eine Antwort für mein Problem zu
finden, und die Antwort habe ich gefunden. Aber ich habe immer noch Angst. Ich
mache mir immer noch Sorgen was mit mir passieren könnte, wegen dieser Sache.
Doch wenigstens habe ich die eine Antwort, die ich brauchte." Ich lächele
sie an, mit meinem allerbesten Lächeln. "Und dafür danke ich dir."
Sie nickt nur, scheinbar ein wenig verwirrt, aber sonst ganz
glücklich.
"Ich geh dann mal besser. Ich sollte mich so spät nicht noch
'rumtreiben." Ich küsse sie auf die Wange und drehe mich zum Gehen.
"Touji?"
"Hmm?"
"Du sagst doch, dass du immer noch ein bisschen Angst hast,
oder?"
"... Ja..."
"Darf ich... dir ein wenig helfen?" Sie sieht mich
schüchtern an, so als ob sie nicht weiss, was sie als Nächstes tun soll. Doch
am Ende nimmt sie meine Hand und führt mich in ihr Zimmer.
DONNERSTAG MORGEN
Mit einem kleinen Lächeln auf meinem Gesicht steige ich in den
Transporter. Eigentlich hatte ich letzte Nacht SO weit gar nicht gehen wollen,
und ich bin sicher das Hikari es auch nicht geplant hatte. Aber als ich heute
morgen aufgewacht bin, mit Hikari in meinen Armen,- dieses Gefühl würde ich
niemals vergessen. Zu dumm, dass ich mich früh rausschleichen musste, um ihrer
Familie nicht in die Quere zu kommen.
Selbst als ich Stunden später in Matsushiro ankomme, habe ich
immer noch dieses Lächeln auf dem Gesicht. Sogar während Dr. Akagis Vorträgen,
lächele ich immer noch.
"Wow, du siehst aber verdammt glücklich aus Touji!" sagt
Misato und lehnt sich lässig an eine Wand.
"Mm-Hmmm!"
"Wie kommt's?" fragt sie mit einer Stimme die noch ein
wenig entrückt klang. Offensichtlich war der Morgen nicht gerade die beste
Tageszeit für jemanden, der schon zum wach werden ein Bier brauchte.
"Ich habe einfach nur einen verdammt guten Grund gefunden,
EVA zu steuern." antworte ich.
"Wa?" als sie mich verirrt anstarrt, gehe ich einfach in
den Umkleideraum und lege meinen Plugsuit an.
Ich starre auf EVA-03, dieses grässliche schwarz und weiss
lackierte Ding, das ich steuern muss. Es überrascht mich, doch ich empfinde
keine Furcht.
Denn jetzt endlich ist mir klar, warum ich es tue...
"Für Mari..."
Ich gehe den Gang neben dem Versorgungskabel entlang...
"Für Vater..."
Ich klettere auf die Einstiegsplattform.
"Für Shinji..."
I steige in die Zugangskapsel.
"Und ganz besonders und vor allem für dich, Hikari..."
Mit einem leichten Zischen schraubt sich die Kapsel in den EVA.
Ich lächele, selbst jetzt, wo mir vor Nervosität übel wird.
"Ich werde tun, was ich kann, um euch zu beschützen."
Die Lichter in der Zugangskapsel gehen an.
"Euch alle."
ENDE
OMAKE:
Ich wachte auf und jede Faser meines Körpers schmerzte. Ich hatte
teuflische Kopfschmerzen, mein Mund war trocken wie die Sahara und mir war
kotzübel. Ich konnte meine Beine nicht bewegen, und ich fühlte mich so
beweglich wie eine Eisenbahnschwelle. Es schien mir auch als wäre
ich...leichter..?
Aber bevor ich diese Gedanken weiter führen konnte, bemerkte ich
Hikari, die weinend in eine Stuhl neben dem Bett sass.
"I-Inchou...?" brachte ich mühsam über die Lippen.
"Oh, Touji!" Sie weinte bittere Tränen bevor sie mich
dann in die Arme nahm.
Zärtlich streichelte ich ihr Haar mit meinem rechten Arm.
Scheinbar, war das der einzige Arm den ich noch hatte.
"WARUM!?! WARUM HAST DU DAS GETAN!?!" schrie sie.
"Nun ja..."
"Shinji hat dir doch gesagt wie schrecklich es sein würde! Du
hast doch selbst gesehen wie oft es ihn verletzt hat."
"I-Inch-"
"Und trotzdem hast du es getan! Warum, Touji?"
"Hi-"
"DU WÄRST FAST GESTORBEN!!"
"Hey!" fuhr ich sie an. "Woher verdammt nochmal
sollte ich wissen, dass Misatos Kochkünste dermassen schlecht sind!"
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Und jetzt haltet euch fest!! Die Anmerkungen
des Autors!!!!!
Halli hallo, ihr da draussen. Jetzt kommt der Teil wo ich mich mal
so richtig über all den Kram auslassen kann, der mit dieser Geschichte und
ihrer Entstehung zu tun hat, blubber, blubber blubber... Na ja, um ehrlich zu
sein, weiss ich gar nicht, was ich da so Großes sagen soll. Und darum sage ich
dann halt das Kleine.
Erstmal hatte ich die Namen von Hikaris Schwestern verwechselt.
Die jüngere ist Nozomi und die Ältere Kodama. Das ist dann auch berichtigt
worden.
Besonderer Dank geht an Alain, der mehr als die Hälfte der Szene
mit Rei beigesteuert hat und auch noch so einige Sachen. Der Name
"Mari" für Toujis Schwester habe ich aus der berühmten Geschichte
"Neon Genesis Evanjellydonut" von dem eben so berühmten (als auch
talentierten) Andrew Huang.
Überhaupt, hat mir das Schreiben der Geschichte Spass gemacht. Es
war eine Herausforderung. Es ist nicht gerade leicht sich in jemanden wie Touji
hinein zu versetzen, doch ich habe mein Bestes gegeben, mit der Folge, das
Hikari jetzt das Mädchen meiner Träume ist. ZUR HÖLLE MIT DIR ALAIN!!!
War nur Spass..
Bei
der Herstellung dieser Geschichte wurde kein Testleser verletzt oder getötet.
Alle
benutzten Testleser waren die von Alain.
Und Danke an Die, die bis hierher gelesen haben.